ProLibris für Heft 1/2000: Aleph 500 als neues Verbundsystem

Seit dem vergangenen Jahr führt das HBZ ALEPH 500 als neue Verbundsoftware ein. Der aktuelle Stand (27.03.2000) soll hier dargestellt werden.

Historie

Am 03.03.1999 fand im Ministerium für Schule, Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung in Düsseldorf ein Krisengespräch statt, bei dem der Vorstand der Verbundkonferenz, der Projektleiter Digitale Bibliothek und das HBZ zusammen mit Herrn Dr. Bode über Alternativen zur noch laufenden Verbundentwicklung berieten. Als Folge dieses Gespräches besuchte im März 1999 eine Expertengruppe des HBZ die Arbeitsgruppe Bibliotheksautomation (AGBA) in Wien, um sich einen genaueren Eindruck von Aleph 500 zu verschaffen, welches dort am 12.01.1999 als das erste ALEPH 500-Verbundsystem, nur wenige Stunden später als geplant, in den Produktionsbetrieb gegangen war. Es ergaben sich weitere Fragen, die wir zwei Wochen später bei einem Besuch bei Ex Libris in Hamburg diskutierten.
Als es Ex Libris weitere zwei Wochen später innerhalb nur eines Tages gelang, ein ALEPH 500-Testsystem im HBZ zu installieren und eine HBZ-Beispielsammlung zu laden, zeigte uns dies erneut die Leistungsfähigkeit von ALEPH 500. Um auch unsere Kunden über ALEPH 500 zu informieren, führte das HBZ im April 1999 zusammen mit Ex Libris und Herrn Labner von der AGBA ALEPH 500 seinen Verbundbibliotheken vor. Daraufhin fasste die Verbundkonferenz am 22.04.1999 den Beschluss zur Einführung von Aleph 500 für die Verbundbibliotheken in Nordrhein-Westfalen und dem nördlichen Rheinland-Pfalz.
In der Folgezeit führten wir intensive Gespräche mit Ex Libris zu Inhalten eines Vertrages. Es wurde ein Zeit- bzw. Projektplan ausgehandelt und eine Hardwarekonfiguration festgelegt, die das Fundament eines performanten Verbundsystems sein wird. Der Vorstand des HBZ und der Geschäftsführer von Ex Libris verhandelten dabei über Preise, Randbedingungen und juristische Details, während die EDV-Gruppe des HBZ mit zwei Mitarbeiterinnen von Ex Libris über inhaltliche Eckpunkte beriet und verhandelte.
Zentrale Fragen waren dabei:

Am 18.06.1999 unterzeichneten Herr Hoffmann und Herr Lütgen den Vertrag zwischen dem HBZ und Ex Libris.

Verfahren

Zur Klärung der Rahmenbedingungen im HBZ wurde eine Zielvereinbarung zwischen der EDV-Gruppe und dem Vorstand des HBZ ausgehandelt. Sie legt in Form von Zielen fest, in welcher Weise das Projekt der Einführung von ALEPH 500 angegangen werden soll, was besonders zu berücksichtigen ist, und welche Prioritäten es gibt. Weiterhin werden hier die Aufgaben konkretisiert und die zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Personal und technische Unterstützung vereinbart, mit deren Hilfe die Ziele erreicht werden sollen. Schließlich werden organisatorische Rahmenbedingungen festgehalten, die u.a. schnelle Informationswege und Entscheidungen ermöglichen (siehe dazu auch ProLibris Jahrgang 4, 1999, Hefte 3 und 4 [Becker, Zielsysteme in Bibliotheken], http://www.hbz-nrw.de/hbz/publika/Artikel_ziele1.html).

Zur Abwicklung des Projektes wurde in der EDV-Gruppe des HBZ eine Arbeitsgruppe ALOAH (ALeph Onlineverbundsystem Arbeitsgruppe HBZ) zusammengestellt. Bei ALOAH laufen die Informationen zur ALEPH 500-Einführung zusammen und es werden Entscheidungen vorbereitet und getroffen. Eine zweite Arbeitsgruppe im bibliothekarischen Fachbereich des HBZ kümmert sich um die nichttechnischen Aspekte der ALEPH 500-Einführung. Beide Arbeitsgruppen koordinieren sich über zwei Ansprechpersonen, die in beiden Arbeitsgruppen mitarbeiten.

Es wurden EDV-gestützte Werkzeuge zur Effektivitätssteigerung der Arbeitsgruppe eingeführt. Eine Termin-, Aufgaben- und Dokumentationsdatenbank ermöglicht es, dass alle Dokumente, E-Mails sowie Notizen jederzeit vollständig verfügbar sind und dass die Bearbeitung einer Aufgabe ohne Informationsverlust jederzeit von einer Person auf eine andere übergehen kann (z.B. bei Urlaub oder Krankheit).

Mit Hilfe einer Projektmanagementsoftware wurde ein detaillierter Projektplan erarbeitet, der uns, Ex Libris und unseren Verbundbibliotheken größtmögliche Planungssicherheit bietet.

Projektverlauf

Hausinterne Zusammenarbeit

Das gesamte Projekt begleitet eine intensive, fruchtbare und notwendige Diskussion zwischen technischen und bibliothekarischen Fachkräften über das, was als notwendig oder wünschenswert erachtet wird und welchen Aufwand bei Personal, Kosten, benötigter Rechenleistung oder Entwicklungszeit dies auf der EDV-Seite kostet oder kosten wird. Es ist nicht immer leicht, Kompromisse zu finden, die den richtigen Punkt im Dreieck zwischen Qualität, Kosten und Preis definieren. Eine harmonische Zusammenarbeit mit gegenseitigem Vertrauen im Projektteam ist die wichtigste Voraussetzung, um Kompromisse in vertretbarer Zeit schließen zu können.

Hardware

Wir haben in mehreren Schritten vorhandene-SUN Hardware zu einem Produktionsserver (SUN E6500, 12 CPU, 12GByte RAM, 430 GByte Plattenplatz), einem Schulungsserver (SUN E4000, 8 CPU, 5 GByte RAM, 127 GByte Plattenplatz) und einer Testmaschine (SUN E450) hochgerüstet. Einen Plattenspiegel für den Produktionsserver werden wir im Aril/Mai 2000 in Betrieb nehmen.

Schulungskonzept

Es wurde zusammen mit der Gruppe Aus- und Fortbildung ein Schulungskonzept für das HBZ und die Verbundbibliotheken erarbeitet, um zu definieren, welche Aleph-Schulung für wen stattfinden muss. Festgelegt wurde, wer Wissen im Bereich Aleph-(Lokal)-System erwirbt, wer die Schulungen für die Verbundmultiplikatorinnen im Frühjahr 2000 durchführen soll und wer welches Wissen braucht, um die detaillierten Einstellungen des Systems (Setup) durchführen zu können. Nach diesem Schulungskonzept wurden die Schulungen durchgeführt. Die Verbundmultiplikatorinnen des HBZ wurden nicht nur fachlich, sondern auch methodisch-didaktisch geschult.
Am 23.08.1999 und 06.09.1999 fanden zwei Informationsveranstaltungen für das Katalogisierungspersonal des Verbunds im HBZ statt. Ziel war eine Information für der Beschäftigten in den Katalogisierungsabteilungen, um das ALEPH-System vorzustellen. Beide Veranstaltungen wurden bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und auch beim HBZ als sehr hilf- und erfolgreich eingestuft.
Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Verbundbibliotheken wurden dann nach intensiven Vorbereitungen und der Erstellung von Schulungsunterlagen innerhalb von drei Wochen vom 07.02.2000-24.02.2000 von insgesamt 8 HBZ-Multiplikatorinnen parallel in verschiedenen Bibliotheken geschult. Diese Verbundmultiplikatorinnen und -multiplikatoren schulen zur Zeit, noch bis zum 04.04.2000 ihre Kolleginnen und Kollegen in den Katalogisierungsabteilungen. Die Rückmeldungen und die Akzeptanz des neuen und im Vergleich zum alten BIS-System ungewohnten ALEPH 500 waren positiv. Eine weitere zweitägige Schulung für die Multiplikatorinnen der Verbundbibliotheken folgt am 29.03.2000 und 30.03.2000. Sie wird den aktuellen Stand bei ALEPH 500 vermitteln und uns die Möglichkeit geben, das Feedback der Bibliotheken nach den Schulungen der Katalogisierungsabteilungen abzufragen.

Migration der Titel-, Norm- und Lokaldaten

Parallel zur Arbeit der Erstellung und Diskussion von Vorgaben, wurden Konkordanzen von BIS zu MAB2 für Titel-, Norm- und Lokaldaten erstellt und veröffentlicht. Auf Grund der Vorgaben wurden dann die Abzugs- und Migrationsprogramme erstellt und getestet. Bis Ende Oktober 1999 hatten wir Ex Libris dreimal Testdaten zur Verfügung gestellt, damit Ex Libris seinerseits die für NRW in Aleph eingebrachten Änderungen testen konnte, und damit die Abschätzungen für die Zeit des Datenabziehens BIS zu MAB2, des Umkodierens (EBCDIC nach MAB2), des Ladens in ALEPH 500 mit dem Aufbau von mehr als 20 verschiedenen Indizes besser einschätzbar war.
Einen ersten Gesamtabzug aller Daten stellten wir Ex Libris am 01.12.1999 zur Probemigration zur Verfügung. Das Laden und Umsetzen dieser Daten war im Januar 2000 abgeschlossen, so dass wir am 13.01.2000 den NRW-Verbundkatalog erstmals der Öffentlichkeit im ALEPH 500 WEB-OPAC präsentieren konnten. Wir nutzten den damit startenden Parallelbetrieb zwischen neuem Aleph- und altem BIS-System, um nach über 300 Meldungen der Verbundbibliotheken Verbesserungen und Verfeinerungen an den Abzugs- und Migrationsprogrammen vorzunehmen. Im ersten Schritt der endgültigen Migration wurden am 21.01.2000 die Titel-, Norm- und Lokaldaten aus dem alten BIS-System exportiert und anschließend in ALEPH 500 importiert. Bis die Daten in ALEPH geladen und indexiert waren, war die Katalogisierung im alten BIS-System nur eingeschränkt möglich, es konnten nur Neuaufnahmen katalogisiert werden. Am Abend des 17.03.2000 wurde die Katalogisierung im alten BIS-System nach 5216 Tagen endgültig eingestellt. Die UB Trier erhielt zwei Flaschen Sekt und herzliche Gratulationen für die 10.262.545 und letzte Titelaufnahme. Im zweiten Schritt der Migration werden die Neuaufnahmen seit dem 21.01.2000 in ALEPH 500 geladen und indexiert. Insgesamt haben wir 61,17 Millionen Datensätze mit insgesamt 11,93 GigaByte umgesetzt. Am 04.04.2000 wird die Katalogisierung in Aleph 500 im HBZ mit diesen Daten starten. Die Migration der Daten vom BIS-System zu Aleph 500 ist nicht trivial, da sich im Bereich der Normdaten im Laufe der Zeit Änderungsbedarf ergeben hat, der nun bei der Migration mit umgesetzt wird (Zusammenführung der HBZ-PND und der PND bei Der DB). Dasselbe gilt für die Änderung des Import- und Exportformates von MAB1 hin zu MAB2.

Die Migration der Daten vom BIS-System zu Aleph 500 ist nicht trivial, da sich im Bereich der Normdaten im Laufe der Zeit Änderungsbedarf ergeben hat, der nun bei der Migration mit umgesetzt wird (Zusammenführung der HBZ-PND und der PND bei Der DB). Dasselbe gilt für die Änderung des Import- und Exportformates von MAB1 hin zu MAB2.

Aufnahme weiterer Verbundteilnehmer

Wenn am 04.04.2000 Aleph 500 im HBZ in den Produktionsbetrieb gegangen sein wird, sollen alle interessierten Bibliotheken als Verbundteilnehmer aufgenommen werden können. Technisch notwendig ist dazu ein Internetanschluss sowie vernetzte PC mit Windows (95, 98 oder NT) nach neuerem Stand der Technik für die Katalogisierung und die OPAC-Abfrage. Für die Verbundteilnahme von Bibliotheken außerhalb des Hochschulbereiches NRW werden Kostenbeiträge erhoben werden (müssen), die anlässlich einer Informationsveranstaltung des HBZ für öffentliche Bibliotheken am 16.12.1999 bekannt gegeben wurden. Für die Verbundkatalogisierung werden jährliche Kosten wie folgt anfallen:

Sektion 1: 8.400,- DM
Sektion 2: 5.600,- DM
Sektion 3: 2.800,- DM

Schnittstelle zu anderen Lokalsystemen

Das Aleph 500-System, mit dem das HBZ am 04.04.2000 in Betrieb gehen wird, kann weltweit über die Schnittstellen Z39.50 und HTTP abgefragt werden. Der jetzige HBZ-Verbund-OPAC, der sich auf die BIS-Datenbank HBZR stützt und über unseren WWW-Server zu erreichen ist, wird dann abgeschaltet.

Für Verbundteilnehmer, die mit dem Aleph 500-System katalogisieren, wurde der Katalogisierungsclient am 25.01.2000 kostenlos bereitgestellt. Um Ersatz für das heutige Softcopy-Verfahren zu haben, hat Ex Libris für NRW eine Funktion in ALEPH 500 integriert, die ein Abspeichern des Datensatzes, der gerade katalogisiert wird, in MAB2 auf der lokalen Festplatte des Katalogisierungs-PC ermöglicht (KAT-Download). Die Hersteller von Lokalsystemen können diese Daten zur lokalen Weiterverarbeitung nutzen.

Die Entwicklung einer Onlineschnittstelle, die aller Voraussicht nach auf Z39.50 beruhen wird, die Lokalsysteme zeitnah mit den neuen Katalogisaten bzw. deren Änderungen versorgt und die Offline-MAB2-Lieferungen ersetzen soll, wird im Jahre 2000 mit Ex Libris in Absprache mit den Herstellern der Lokalsysteme begonnen werden.

Ausblick

Wir glauben, dass wir mit der Einführung von ALEPH 500 im HBZ auf einem guten Weg sind. Wir werden die ''Digitale Bibliothek Nordrhein-Westfalen'' und ALEPH 500 verbinden, so dass letztlich die Funktionseinheit entsteht, die ursprünglich im Rahmen der Neuentwicklung einer Bibliotheksverbundsoftware 1996 geplant war. Was noch fehlt, ist eine Fernleihkomponente für Monographien. Diese wird, basierend auf den Erfahrungen mit dem Aufsatzliefersystem JASON, seit Ende 1999 im HBZ zusammen mit der Universitätsbibliothek Bielefeld entwickelt. Die Fernleihkomponente wird sowohl von der Digitalen Bibliothek als auch von ALEPH 500 angesteuert werden können und wird über Schnittstellen zu den lokalen Bibliothekssystemen verfügen. Damit wird das neue Verbundsystem des Hochschulbibliothekszentrums in diesem Bereich sogar mehr Funktionalitäten bieten, als in der europaweiten Ausschreibung des Jahres 1996 vorgesehen war.


Florian Seiffert
11.04.2000