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Die Pfarr-Kontakte

Hier folgen die Artikel, die in dem gemeinsamen Pfarrbrief von St.Hubertus und St.Pius -Pfarr-Kontake- erschienen.

Pfarr-Kontakte 2/93 - Pastoralgespräche

Zuerst blieben dem Kaufhaus die Käufer weg, dann fand sich auch immer weniger Verkaufspersonal, da vielen Bewerbern die Einstellungsbedingungen nicht zumutbar erschienen, da entschlossen sich die Verantwortlichen endlich, die Käufer zu fragen, was sie eigentlich und auf welche Weise angeboten haben wollten und ob die Qualität auch stimme. So könnten dem Betrachter auch die sog. Pastoralgespräche erscheinen, zu denen in diesem Frühjahr alle Gemeindemitglieder von Kardinal Meisner aufgerufen worden sind: die Tatsache, daß die Zahl der Priester in den nächsten Jahren zurückgehen wird, führte zunächst zu dem sog. ''Pastoralplan'', der die zukünftige Verteilung der wenigen Priester auf die einzelnen ''Verkaufsstellen'' - also auf die einzelnen Pfarreien - regelte, danach erst wurden die verbliebenen Gläubigen dazu eingeladen, sich über die Zukunft der Gemeinden und die Weitergabe ihres Glaubens Gedanken zu machen und diese ''rückhaltlos'' zu äußern. Wobei man allerdings von vornherein hinzufügte, daß man über manche der Vorschläge sowieso nicht würde entscheiden können und daß man sich im übrigen vorbehalte, nur das nach ''Oben'' weiterzureichen, womit man sich identifizieren könne.
Nimmt man nun noch die in den letzten Jahren sichtlich zunehmende ''Kirchenverdrossenheit'' hinzu, so braucht man sich nicht zu wundern, wenn dem Vernehmen nach die Pastoralgespräche in den Gemeinden zum Teil nur recht zögernd angelaufen sind. In unseren beiden Gemeinden St.Hubertus und St.Pius X. allerdings brauchten wir uns über mangelnden Zuspruch nicht zu beklagen. Es kamen in St.Hubertus ca. 65 und in St.Pius X. immerhin ca. 35 Teilnehmer zu den Gesprächen, zu denen auch ausdrücklich der Kirche Fernstehende eingeladen waren. Bei dieser großen Zahl mußten die Teilnehmer, damit jeder zu Wort kommen konnte, auf einzelne Gruppen verteilt werden, in denen Gruppenleiter die geäußerten Ansichten und Vorschläge protokollierten.
''Wohlbehagen und Unbehagen in und an der Kirche?'': zu dieser Frage fiel den Teilnehmern sehr Unterschiedliches ein. Es wird niemanden überraschen, daß zu dem Punkt ''Unbehagen'' deutlich mehr gesagt wurde als zu ''Wohlbehagen''.
Aber immerhin: Kirche gibt Trost, Glaube gibt mir Halt und Hoffnung: sonst wäre ich nicht dabei. Ein schöner Gottesdienst z.B. der Werktagsgottesdienst montags in kleiner Gemeinschaft macht Freude. Gut ist die Trägerschaft der Kirche für Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, Heime. Gut sind Initiativen wie Adveniat und Miserior. Gut sind Messdiener und Messdienerinnen. Maria ist für mich ein Ansprechpartner auch ohne Dogmen.
Dennoch: Mehr hatten die Anwesenden zu ihrem Unbehagen an der Kirche zu sagen. Man kann die Meinungen in mehreren Gruppen zusammenfassen:
1) Lehre der Kirche: Die Mariendogmen erscheinen unnötig. Der neue Weltkatechismus, der zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch nicht erschienen war, weckt durch seinen Umfang Befürchtungen wie: ''Wer soll das alles glauben?''. Gewünscht wird auch eine Möglichkeit, mit dem Prediger über seine Predigt zu sprechen.
2) Kirchliche Morallehre und moralisches Verhalten der Kirche selbst: Der Ausschluß wiederverheirateter Geschiedener vom Sakramentenempfang und die Haltung gegenüber verheirateten Priestern werden beanstandet. Die Sexualmoral der Kirche wird verantwortungslos genannt: ''Wie kann man auf Enthaltsamkeit als einzigem Mittel zur Geburtenplanung bestehen, wenn gleichzeitig die Kinder in Afrika sterben?'' Beanstandet wird auch die Intoleranz gegenüber anderen (christl.) Konfessionen. Die Eigenverantwortung und Gewissensentscheidung des Einzelnen sollten mehr beachtet werden.
3) Kirchliche Strukturen: Man fordert mehr Demokratie z.B. bei Bischofsernennungen oder gar, daß Bischöfe abwählbar sein müßten. In der Kirche sollte mehr diskutiert werden. Der Nutzen der Kirchensteuer wird bezweifelt. Es wurde auch gefragt: Wollte Gott diese Kirche als ''"offentlich rechtliche Körperschaft''?
4) Priestertum: ''Was ist eigentlich Ursache für den Priestermangel?'' wurde gefragt und gefordert, daß das Zölibat abgeschafft oder die Ehelosigkeit zumindestens jedem Priester freigestellt werden sollte. Man wünscht mehr Frauen in kirchlichen Ämtern: als Priesterinnen oder zumindest als Diakoninnen. Frauen in Seelsorge und Liturgie würden das Bild vervollständigen. Der Unterschied zwischen Geweihten und Ungeweihten im kirchlichen Dienst erscheint zu groß. Es wurde aber auch gefragt: ''Müssen Priester wirklich Verwaltungsaufgaben erledigen?''
5) Liturgie: Man bemängelt starre Formen und ein Beharren auf Äußerlichkeiten und erlebt zu wenig Gottesdienste, die dem Einzelnen helfen und die Gemeinde zusammenführen. Manche Sonntagsmessen wurden als ''trostlos'' empfunden.
6) Nahbereich: Es ging z.B. um das ''Zelebrantenkarussel'', das kritisiert, aber auch gelobt wurde. Bemängelt wurden das Nichtbeachten eines Fürbittenbuches ...aber auch Algen im Weihwasserbecken.
Selbstverständlich fragt man sich jetzt, was soll aus all diesen Anregungen und kritischen Bemerkungen werden? Wie sollen sie nach ''oben'' gelangen und werden sie dort beachtet? Natürlich können wir nichts versprechen und nichts erzwingen, aber es gilt auch: Wer nichts fordert, der braucht sich auch nicht zu wundern, wenn sich nichts ändert. Die erste Runde unserer Pastoralgespräche hat sich bevorzugt mit der Kirche im allgemeinen befaßt. Ich kann mir vorstellen, daß sich zukünftige Veranstaltungen mehr den Fragen widmen: Wie soll es im Nahbereich weitergehen, wenn nur noch ein Priester vorhanden ist? Wie kann der Glaube heute gefeiert und weitergegeben werden - hier in Flittard? Was für konkrete Wünsche haben Kindermesskreise und Frauengemeinschaften, Jugend und Senioren? Letzten Endes sollen die Gespräche zu Vorschlägen führen, die nach ''oben'' weitergereicht werden können. Wir brauchen dann wenigstens kein schlechtes Gewissen zu haben.

M.Lorenz

Pfarr-Kontakte 3/93 - Pastoralgespräche

In der ersten Runde, die im Mai getrennt in den einzelnen Gemeinden von Flittard und Stammheim stattfand, wurde ausgehend von der Frage ''Wohlbehagen und Unbehagen in und an der Kirche?'' bereits eine Fülle von Anregungen und Forderungen zusammengetragen. Seither haben zwei weitere Runden auf ''Nahbereichsebene'' stattgefunden, beide im Pfarrheim von St.Hubertus (weil dort die geeignetsten Räumlichkeiten zur Verfügung stehen) und beide mit einer erfreulichen Anzahl an Teilnehmern.
Das Gespräch der zweiten Runde im Juni stützte sich auf eine Zusammenfassung der vorangegangenen Diskussionen unter den drei Gesichtspunkten ''Kirche und Glauben'', ''Kirche und Leben'' und ''Kirche vor Ort''. Die einzelnen Themen wurden in Gruppen von je etwa zehn Teilnehmern diskutiert, wobei die Meinungen zum Teil kräftig zusammenprallten. Die Gespräche wurden von den Moderatoren der einzelnen Gruppen zusammengefaßt und im Plenum vorgestellt. Die Zusammenfassungen lagen in den Kirchen aus (sie können weiterhin in den Pfarrbüros abgeholt werden) und standen den Teilnehmern der dritten Runde am 22.September zur Verfügung, die sich zunächst über das weitere Vorgehen klar werden mußten. Es zeigte sich hier meiner Meinung nach deutlich, daß niemand in unseren Gemeinden daran gewöhnt ist, mit demokratischen Prozessen dieser Art umzugehen und allgemein akzeptierte Modelle für deren Gestaltung nicht vorliegen. Erfreulich für mich war, daß stets der Nachdruck darauf lag, alle zu Wort kommen zu lassen. Die 34 Teilnehmer kamen schließlich überein, zunächst ein Thema, nämlich ''Hierarchie und Demokratie in der Kirche'', weiter zu behandeln17.1. Wieder wurden in Gruppen Gedanken dazu zusammengetragen mit einer eindeutigen Tendenz, die man in folgenden Sätzen zusammenfassen kann: Amtsautorität muß zurückhaltend und mit Einfühlungsvermögen gebraucht werden; ein Bischof sollte Anregung und Vorstellungen, die vom Kirchenvolk ausgehen, an die Gesamtkirche weitergeben; demokratische Formen müssen, wo immer möglich, angewendet werden z.B. bei Auswahl von Bischöfen, aber auch von Pfarrern für die Gemeinden. Eine Zusammenfassung wird vor der nächsten Veranstaltung wieder allen zugänglich gemacht. Nach der anschließenden Aussprache in der großen Runde wurde beschlossen, dieses besondere Thema bei der nächsten Veranstaltung zu einem vorläufigen Abschluß zu bringen und dann weitere Themen in einer noch zu beschließenden Reihenfolge in Abständen von jeweils einem Monat zu behandeln. Ziel ist, daraus bis zum Sommer des nächsten Jahres sog. Voten zu gestalten. Als nächster Termin ist vorgesehen:
Dienstag, den 26.Oktober, 20:00 Uhr im Pfarrheim von St.Hubertus
Wer kann daran teilnehmen? Jeder, dem Glaube und Kirche am Herzen liegen und zwar auch und gerade diejenigen, die Kritik und Zweifel vorzubringen haben! Es ist gleichgültig, ob sie bereits an einer derartigen Veranstaltung teilgenommen haben oder nicht! Wer die lebendigen Auseinandersetzungen in der letzten Runde miterlebt hat, wird nicht bedauern, sich daran beteiligt zu haben.

M.Lorenz

Pfarr-Kontakte 4/93 - Pastoralgespräch

Zu Beginn des 4. Pastoralgespräches am 22.9. wurden die Themen für die zukünftigen Gesprächsabende festgelegt. Aus den Themen, die aus den Aussagen der ersten Zusammenkünfte ''Wohlbehagen und Unbehagen in und an der Kirche'' zusammengestellt worden waren, konnten die Teilnehmer des Abends die für sie wichtigsten bewerten. Dazu erhielt jeder Teilnehmer 7 Punkte.

Die meisten Punkte und somit Thema für den angesetzten Abend ''Problemgruppe: Wiederverheiratet nach der Scheidung''.
Das Thema wurde in 3 Gesprächsgruppen und anschließend im Plenum besprochen. Die Voten wurden festgehalten und können im Bericht über das Gespräch, der wieder in den Kirchen ausliegt, nachgelesen werden.

Für die weiteren Abende bis zum Mai nächsten Jahres stehen folgende Themen an:
Dienstag, 23.11. Frau in der Kirche, Gleichberechtigung, ihre Rolle
Dienstag, 14.12. Ökumene
Dienstag, 25.01. Gewissensfreiheit und Gesetz
Dienstag, 22.02. Priesterweihe, Zölibat
Dienstag, 15.03. Glaubensgespräche: auch in Verbindung mit Predigt; auch Diskussionen
Dienstag, 19.04. Bürokratie und Gesetze in der Kirche oder Familienplanung oder Weitergabe des Glaubens - 3 Themen punktgleich gewertet, es muß daher für den Abend nochmal abgestimmt werden-
Dienstag, 17.05. voraussichtliche Abschlußveranstaltung

Das anstehenden Thema soll möglichst an einem Abend abschließend besprochen werden. Jeder kann daher jederzeit ins Pastoralgespräch einsteigen, auch wenn ihn nur einzelne Themen interessieren.
Machen Sie mit!

Pfarr-Kontakte 4/93 Anmerkungen zu einigen Voten, die bei den Pastoralgesprächen in unseren Gemeinden vorgetragen wurden

Bei einigen niedergeschriebenen Voten habe ich den Eindruck, die Vertreter dieser Meinungsäußerungen seien pure Idealisten und hätten keine Ahnung von den tatsächlichen Gegebenheiten und Verhältnissen in der heutigen Gesellschaft.
Beispielsweise wird der Wunsch geäußert, der Pfarrer solle das Hausherrn-Recht in der Kirche abgeben - mit der Begründung, dann können man sich in den Kirchen zu Terminen trauen lassen, die man persönlich wünsche. Weiß man nicht, daß es für Kirchenbedienstete tarifvertraglich festgelegte Arbeitszeiten gibt? Die Küster würden sich weigern, an ihrem freien Tag oder gar um Mitternacht oder im Morgengrauen die Kirche zu öffnen und Dienst zu machen.
Oder: Die Pfarrer sollen kein Vetorecht haben bei der Liturgiegestaltung. Was wird eigentlich gewünscht? Ein selbstgestricktes, sektenähnliches Happening mit liturgischer Verbrämung? Oder will man sich aus dem objektiven Rahmen der Weltkirche ausklinken und stattdessen provinzielle bzw. dörfliche Club-Rituale einführen?
Dann wird mehrfach vorgeschlagen, man solle über die Berufung von Priestern und Bischöfen in den Gemeinden und Bistümern demokratisch abstimmen lassen. Nach welchen Kriterien soll dann wohl verfahren werden? Müßte man nicht befürchten, daß solche Priester, die nicht nach jedermanns Geschmack predigen oder gar Forderungen erheben, die den meisten heute nicht mehr in den Kram passen, ablehnen und daß man subjektiv nach Sympathie und Antipathie entscheiden würde? Und in welchen Betrieben, Behörden oder etwa Schulen werden Direktoren, Prokuristen oder andere Leitende durch Abstimmung der Belegschaft oder durch die Lehrerkonferenzen berufen?
Es wird in den Betrieben oder bei den Behörden und Schulen auch nicht dauernd darüber abgestimmt, was und wie und wann etwas zu tun ist.
Was bringt es, wenn qualifizierte Laien in der Messe predigen? Wer wäre wohl qualifiziert? Und würde man die Meinungsäußerung eines Laien mehr befolgen als die eines Priesters?
Dann wird behauptet, es gebe bei uns keine oder zu wenig Gesprächsmöglichkeiten in der Kirche. In Wirklichkeit gibt es hier fast in jeder Woche Bibelabende oder Glaubensgespräche, Vorträge, Seminare, usw., die meistens nur schwach besucht sind.
Man ist auch offensichtlich der Meinung, nach Aufhebung des Zölibats werde in der Kirche alles besser. Man vergißt wohl, daß es beispielsweise in der Evangelischen Kirche - trotz so vielen Pfarrern und Pfarrerinnen, die sich häufig sogar ein Amt teilen müssen - nicht etwa weniger Kirchenaustritte oder mehr Kirchenbesucher gibt als in der katholischen Kirche.
Es wird auch immer wieder von Reichtümern und dem Vermögen der Kirche geredet. Ohne die Kirchensteuer-Zuwendungen könnten wir in der Pius-Kirche zumachen, wir könnten die verschiedenen Einrichtungen und Aktivitäten nicht mehr bezahlen.
Wer ferner ernsthaft glaubt, man könne Enzykliken oder Hirtenworte den Gemeinden noch früher zugänglich machen als der Presse, weiß offenbar nichts von der Stellung der Medien in der Gesellschaft von heute.
Meines Erachtens müßte man schon realistischer überlegen, was wirklich notwendig ist, damit unsere katholische Kirche auch in Zukunft ihre Sendung erfüllen kann und dabei anziehend bleibt für alle.
F.J. Hammes

Pfarr-Kontakte 1/94 - Offener Brief an Franz-Joseph Hammes zum Pastoralgespräch

Sehr geehrter Herr Hammes,
mit großem Bedauern habe ich Ihre ''Anmerkungen zu einigen Voten, die bei den Pastoralgesprächen in unseren Gemeinden vorgetragen wurden'', in Pfarr-Kontakte 4/93 gelesen.

Mich macht betroffen, daß Sie diese Anmerkungen machen, obwohl Sie nicht ein einziges der bisherigen sieben Pastoralgespräche für den Nahbereich besucht haben. Zugleich zeigen Ihre Anmerkungen, daß offenbar viele der ausliegenden Zusammenfassungen nicht leicht verständlich sind für all die, die bei den Gesprächen nicht dabei waren.

Zunächst sind die von Ihnen zitierten Informationen keine Voten, sondern die Zusammenfassung der Gesprächsinhalte der verschiedenen Gruppen. Hier wurde also nicht eine Stellungnahme an den Bischof formuliert, sondern das Meinungsbild einer kleineren Gruppe - wie es sich gehört - unzensiert wiedergegeben. Ziel des Pastoralgespräches soll es ja gerade nicht sein, nur das zu schreiben und zu diskutieren, was Sie aus Ihrer Sicht als Kirchenvorstand für richtig halten - man hätte sich das Pastoralgespräch dann sparen und es bei einem Brief bewenden lassen können - sondern jedes Gemeindemitglied war und ist immer noch aufgefordert, sich hier freimütig zu seiner persönlichen Sicht von Freude und Leid an der Kirche zu äußern. Dies wird von den Teilnehmern auch rege genutzt. Ganz selbstverständlich hat dies nur dann einen Sinn, wenn hier keine Zensur erfolgt und jede Äußerung auch Eingang findet in die Zusammenfassungen und ebenso eine Chance hat, in die Voten an die Bistumsleitung einzugehen. Gerade die Meinung der sogenannten ''Kirchenfernen'' ist hier für uns alle von Wichtigkeit. So erklärt sich, daß auch Stellungnahmen in den Zusammenfassungen auftauchen, die nicht Ihren Beifall und auch nicht den Beifall aller finden.

Fast Ihre gesamte Kritik bezieht sich auf herausgepickte Sätze, die keinen Eingang in die Stellungnahmen an unsere Bistumsleitung (Voten) gefunden haben.

  • Sie kritisieren den geäußerten Wunsch, der Pfarrer solle das Hausherrn-Recht in der Kirche abgeben. Dieser Satz fand Eingang in die Zusammenfassung meines Gesprächskreises aufgrund eines lange zurückliegenden Falles, wo eine samstägliche Trauung um 15 Uhr vom Pfarrer offenbar aus Unlust verweigert worden war.
    In dem angesprochenen Satz war aber ebenfalls zu lesen, daß diese Einschränkung des Hausrechtes zugunsten von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderates gewünscht wurde. Selbst wenn der angesprochene Sachverhalt Eingang in das Votum gefunden hätte, schiene mir etwas mehr Vertrauen in PGR und KV angebracht, die die von Ihnen befürchteten Gottesdienste im Morgengrauen oder um Mitternacht sicher nicht gutheißen würden.

  • Sie kritisieren den Wunsch, der Pfarrer soll kein Vetorecht bei der Liturgiegestaltung haben. Sie haben Recht, daß hier kein selbstgestricktes, sektenähnliches Happening mit liturgischer Verbrämung und auch keine provinziellen bzw. dörflichen Club-Rituale gewünscht werden. Es fällt mir allerdings schwer, diesen Satz, der auch keinen Eingang in die Voten fand, so gewaltig mißzuverstehen. Gewünscht war hier, Pfarrern, die die Umsetzung von Liturgieformen, die in anderen Gemeinden mit Segen von Rom und den Bischöfen praktiziert werden, aus persönlicher Antipathie oder Sturheit blockieren, überstimmen zu können. Gedacht ist etwa an Gabenprozession, Kommunion unter beiderlei Gestalten zu Ostern oder Weihnachten etc. Auch hier war nicht Wunsch, daß jeder machen kann was er will, sondern allein der Pfarrgemeinderat, wo der Pfarrer selbstverständlich Mitglied ist, sollte eine Einigung herbeiführen. Eigentlich hätten Sie auch das der Zusammenfassung entnehmen können.
  • Sie kritisieren den Wunsch, einen Bischof wählen zu lassen. Ich zitiere Ihnen dazu einen Satz aus dem Votum des Nahbereichs vom 26.10.93 zum Thema Hierarchie und Demokratie:
    Bei der Bischofswahl soll ein repräsentatives und qualifiziertes Gremium von Priestern und Laien (Frauen und Männern) ein Recht auf Mitwirkung haben, damit der Bischof eine größere Akzeptanz in seiner Diözese finden kann.
    Ist dies in Ihren Augen ein so unrechter Wunsch?
  • Sie kritisieren den Wunsch, qualifizierte Laien predigen zu lassen. Über diesen im Votum Hierarchie und Demokratie formulierte Wunsch kann man sicher geteilter Meinung sein. Als ''Hinführung zum Thema'', als Einführung oder beim Wortgottesdienst ist Laien heute ganz legal die Möglichkeit gegeben, sich im Gottesdienst zu äußern, nur Predigt darf es nicht heißen. Ich finde es einfach ehrlicher, das Kind beim Namen zu nennen und qualifizierte Laien z.B. Pastoral- und Gemeindereferentinnen und Referenten auch predigen zu lassen. Sie haben Recht, mehr befolgt würde die Meinungsäußerung eines Laien in Predigten gegenüber denen eines Priesters nicht. Nach meiner Meinung kommt es heute aber für uns nicht aufs Befolgen an, sondern darauf, durch die Predigt und das Vorbild des Predigers überzeugt zu werden. Also Einsicht statt Befehl. Hier hätten Laien und Priester gleiche Möglichkeiten und Chancen.
  • Sie kritisieren den Wunsch nach mehr Gesprächsmöglichkeiten in der Kirche. Sie haben Recht, wenig besuchte Gesprächskreise in den Gemeinden gibt es leider genug. Die Stellungnahmen in den ersten Pastoralgesprächen in den Gemeinden zeigen aber, daß das fehlende Gespräch zwischen ''unten'' und ''oben'' in der Kirche gemeint ist, dieses wird schmerzlich vermißt.
  • Ihrer Kritik über den Wunsch nach Aufhebung des Zölibats setze ich eine herzliche Einladung zum Pastoralgespräch am 22.02.94 entgegen. Das Thema lautet: ''Priesterweihe und Zölibat''.
  • Der Wunsch, Enzykliken den Katholiken in den Gemeinden eher bekannt zu machen als den Medien, stößt bei Ihnen auf Unverständnis, und Sie unterstellen Unwissen von der Stellung der Medien in der heutigen Zeit. Wir wünschen uns nicht, daß die Medien langsamer sind, sondern daß die Kirchenleitung uns zuerst und aus erster Hand informiert, z.B. über einen Hirtenbrief. Der unselige Zustand für engagierte Christen, erstmal wochenlang von Halb- und Unwahrheiten der kirchenfeindlichen Medien leben zu müssen, wäre so beseitigt.
In ihrem Schlußwort fordern sie dazu auf, realistischer zu überlegen, was wirklich notwendig ist, damit unsere katholische Kirche auch in Zukunft ihre Sendung erfüllen kann und dabei anziehend bleibt für alle. Ich glaube, die vielen engagierten Christen unseres Nahbereiches haben sich aufgrund ihrer Sorge an der Kirche - die wir alle sind - zur Mitarbeit beim Pastoralgespräch entschlossen. Ich bitte Sie ganz herzlich:
-
Beteiligen sie sich aktiv am Pastoralgespräch, bringen Sie Ihre Meinung ein! Vielleicht gelingt es uns allen zusammen, die Pastoralgespräche durchschaubarer zu machen.
-
Begleiten Sie das Pastoralgespräch mit mehr Vertrauen! Befürchten Sie nicht immer gleich, daß hinter jeder Äußerung der Wunsch steht, die Kirche zu verunglimpfen oder ein selbstgestricktes, sektenähnliches Happening mit liturgischer Verbrämung herbeizuführen.


Mit herzlichen Grüßen
Florian Seiffert

Pfarr-Kontakte 1/94 - Pastoralgespräch - Die bisherigen Voten

Als Zwischenergebnis des Pastoralgesprächs veröffentlichen wir im folgenden die bisherigen 6 Voten des Nahbereichs Flittard-Stammheim. Nach Abschluß des Pastoralgesprächs werden sie an die Bistumsleitung geschickt.
Wir möchten Sie alle auch weiterhin herzlich zu den noch folgenden Pastoralgesprächen einladen.
Dienstag, 15.03.94 Glaubensgespräche: auch in Verbindung mit Predigt; auch Diskussionen
Dienstag, 19.04.94 Bürokratie und Gesetze in der Kirche oder Familienplanung oder Weitergabe des Glaubens - 3 Themen punktgleich gewertet, es muß daher für den Abend nochmal abgestimmt werden
Dienstag, 17.05.94 voraussichtliche Abschlußveranstaltung
Alle Gespräche finden jeweils in St.Hubertus um 20 Uhr statt.

Florian Seiffert


(In dem Artikel folgen die 6 Voten zu den Themen: Hierarchie und Demokratie, Wiederverheiratete nach Scheidung, Enzykliken, Frauen in der Kirche, Ökumene und Gewissensfreiheit und Gesetz. Siehe Nr. [*] S. [*]).

Pfarrkontakte 2/94 - Sonderausgabe

Diese Sonderausgabe der Pfarrkontakte erschien rechtzeitig zur Abschlußveranstaltung am 17. Mai 1994. Sie enthielt die hier vorliegende Dokumentation bis zum 10.ten Pastoralgespräch ohne die Beiträge dieses und des davorliegenden Kapitels. Die Auflage betrug 300 Stück zu sonst 2400 Stück. Sie wurde an die Flittarder Vereine verteilt, die gebeten wurden sie an interessierte Mitglieder weiter zu geben, und lag in den Kirchen und in den Pfarrbüros aus.
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   Copyright © 2000-2001: Florian Seiffert, 29.12.2000