Aufwärts: Pastoralgespraech: Flittard - Stammheim
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Hier folgen die Artikel, die in dem gemeinsamen Pfarrbrief von
St.Hubertus und St.Pius -Pfarr-Kontake- erschienen.
Zuerst blieben dem Kaufhaus die Käufer weg, dann fand sich
auch immer weniger Verkaufspersonal, da vielen Bewerbern die
Einstellungsbedingungen nicht zumutbar erschienen, da entschlossen
sich die Verantwortlichen endlich, die Käufer zu fragen, was sie
eigentlich und auf welche Weise angeboten haben wollten und ob die
Qualität auch stimme. So könnten dem Betrachter auch die sog.
Pastoralgespräche erscheinen, zu denen in diesem Frühjahr alle
Gemeindemitglieder von Kardinal Meisner aufgerufen worden sind: die
Tatsache, daß die Zahl der Priester in den nächsten Jahren
zurückgehen wird, führte zunächst zu dem sog. ''Pastoralplan'', der
die zukünftige Verteilung der wenigen Priester auf die einzelnen
''Verkaufsstellen'' - also auf die einzelnen Pfarreien -
regelte, danach erst wurden die verbliebenen Gläubigen dazu
eingeladen, sich über die Zukunft der Gemeinden und die
Weitergabe ihres Glaubens Gedanken zu machen und diese ''rückhaltlos''
zu äußern. Wobei man allerdings von vornherein hinzufügte, daß
man über manche der Vorschläge sowieso nicht würde entscheiden
können und daß man sich im übrigen vorbehalte, nur das nach
''Oben'' weiterzureichen, womit man sich identifizieren
könne.
Nimmt man nun noch die in den letzten Jahren sichtlich zunehmende
''Kirchenverdrossenheit'' hinzu, so braucht man sich nicht zu
wundern, wenn dem Vernehmen nach die Pastoralgespräche in den
Gemeinden zum Teil nur recht zögernd angelaufen sind. In
unseren beiden Gemeinden St.Hubertus und St.Pius X. allerdings
brauchten wir uns über mangelnden Zuspruch nicht zu beklagen.
Es kamen in St.Hubertus ca. 65 und in St.Pius X. immerhin ca.
35 Teilnehmer zu den Gesprächen, zu denen auch ausdrücklich der
Kirche Fernstehende eingeladen waren. Bei dieser großen Zahl
mußten die Teilnehmer, damit jeder zu Wort kommen konnte, auf
einzelne Gruppen verteilt werden, in denen Gruppenleiter
die geäußerten Ansichten und Vorschläge protokollierten.
''Wohlbehagen und Unbehagen in und an der Kirche?'': zu dieser
Frage fiel den Teilnehmern sehr Unterschiedliches ein. Es
wird niemanden überraschen, daß zu dem Punkt ''Unbehagen'' deutlich
mehr gesagt wurde als zu ''Wohlbehagen''.
Aber immerhin: Kirche gibt Trost, Glaube gibt mir Halt und
Hoffnung: sonst wäre ich nicht dabei. Ein schöner Gottesdienst
z.B. der Werktagsgottesdienst montags in kleiner Gemeinschaft
macht Freude. Gut ist die Trägerschaft der Kirche für Schulen,
Krankenhäuser, Kindergärten, Heime. Gut sind Initiativen wie
Adveniat und Miserior. Gut sind Messdiener und Messdienerinnen.
Maria ist für mich ein Ansprechpartner auch ohne
Dogmen.
Dennoch: Mehr hatten die Anwesenden zu ihrem Unbehagen an der Kirche
zu sagen. Man kann die Meinungen in mehreren Gruppen zusammenfassen:
1) Lehre der Kirche: Die Mariendogmen erscheinen unnötig. Der
neue Weltkatechismus, der zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch nicht
erschienen war, weckt durch seinen Umfang Befürchtungen wie: ''Wer
soll das alles glauben?''. Gewünscht wird auch eine Möglichkeit,
mit dem Prediger über seine Predigt zu sprechen.
2) Kirchliche Morallehre und moralisches Verhalten der Kirche selbst:
Der Ausschluß wiederverheirateter Geschiedener vom Sakramentenempfang
und die Haltung gegenüber verheirateten Priestern werden beanstandet.
Die Sexualmoral der Kirche wird verantwortungslos genannt: ''Wie kann
man auf Enthaltsamkeit als einzigem Mittel zur Geburtenplanung bestehen,
wenn gleichzeitig die Kinder in Afrika sterben?'' Beanstandet wird
auch die Intoleranz gegenüber anderen (christl.) Konfessionen.
Die Eigenverantwortung und Gewissensentscheidung des Einzelnen
sollten mehr beachtet werden.
3) Kirchliche Strukturen: Man fordert mehr Demokratie z.B. bei
Bischofsernennungen oder gar, daß Bischöfe abwählbar sein
müßten. In der Kirche sollte mehr diskutiert werden. Der
Nutzen der Kirchensteuer wird bezweifelt. Es wurde auch
gefragt: Wollte Gott diese Kirche als ''"offentlich
rechtliche Körperschaft''?
4) Priestertum: ''Was ist eigentlich Ursache für den
Priestermangel?'' wurde gefragt und gefordert, daß
das Zölibat abgeschafft oder die Ehelosigkeit zumindestens
jedem Priester freigestellt werden sollte. Man wünscht mehr
Frauen in kirchlichen Ämtern: als Priesterinnen oder
zumindest als Diakoninnen. Frauen in Seelsorge und Liturgie
würden das Bild vervollständigen. Der Unterschied zwischen
Geweihten und Ungeweihten im kirchlichen Dienst erscheint zu
groß. Es wurde aber auch gefragt: ''Müssen Priester wirklich
Verwaltungsaufgaben erledigen?''
5) Liturgie: Man bemängelt starre Formen und ein Beharren auf
Äußerlichkeiten und erlebt zu wenig Gottesdienste, die dem
Einzelnen helfen und die Gemeinde zusammenführen. Manche
Sonntagsmessen wurden als ''trostlos'' empfunden.
6) Nahbereich: Es ging z.B. um das ''Zelebrantenkarussel'', das
kritisiert, aber auch gelobt wurde. Bemängelt wurden das
Nichtbeachten eines Fürbittenbuches ...aber auch Algen
im Weihwasserbecken.
Selbstverständlich fragt man sich jetzt, was soll aus all
diesen Anregungen und kritischen Bemerkungen werden? Wie
sollen sie nach ''oben'' gelangen und werden sie dort beachtet?
Natürlich können wir nichts versprechen und nichts erzwingen,
aber es gilt auch: Wer nichts fordert, der braucht sich auch nicht
zu wundern, wenn sich nichts ändert. Die erste Runde unserer
Pastoralgespräche hat sich bevorzugt mit der Kirche im
allgemeinen befaßt. Ich kann mir vorstellen, daß sich
zukünftige Veranstaltungen mehr den Fragen widmen: Wie soll
es im Nahbereich weitergehen, wenn nur noch ein Priester
vorhanden ist? Wie kann der Glaube heute gefeiert und
weitergegeben werden - hier in Flittard? Was für konkrete
Wünsche haben Kindermesskreise und Frauengemeinschaften, Jugend und
Senioren? Letzten Endes sollen die Gespräche zu Vorschlägen
führen, die nach ''oben'' weitergereicht werden können. Wir
brauchen dann wenigstens kein schlechtes Gewissen zu haben.
M.Lorenz
In der ersten Runde, die im Mai getrennt in den einzelnen Gemeinden
von Flittard und Stammheim stattfand, wurde ausgehend von der
Frage ''Wohlbehagen und Unbehagen in und an der Kirche?'' bereits
eine Fülle von Anregungen und Forderungen zusammengetragen. Seither
haben zwei weitere Runden auf ''Nahbereichsebene'' stattgefunden, beide
im Pfarrheim von St.Hubertus (weil dort die geeignetsten Räumlichkeiten
zur Verfügung stehen) und beide mit einer erfreulichen Anzahl an
Teilnehmern.
Das Gespräch der zweiten Runde im Juni stützte sich auf eine
Zusammenfassung der vorangegangenen Diskussionen unter den drei
Gesichtspunkten ''Kirche und Glauben'', ''Kirche und Leben'' und
''Kirche vor Ort''. Die einzelnen Themen wurden in Gruppen von je
etwa zehn Teilnehmern diskutiert, wobei die Meinungen zum Teil
kräftig zusammenprallten. Die Gespräche wurden von den Moderatoren
der einzelnen Gruppen zusammengefaßt und im Plenum vorgestellt.
Die Zusammenfassungen lagen in den Kirchen aus (sie können weiterhin
in den Pfarrbüros abgeholt werden) und standen den Teilnehmern
der dritten Runde am 22.September zur Verfügung, die sich
zunächst über das weitere Vorgehen klar werden mußten. Es
zeigte sich hier meiner Meinung nach deutlich, daß niemand in
unseren Gemeinden daran gewöhnt ist, mit demokratischen
Prozessen dieser Art umzugehen und allgemein akzeptierte Modelle für
deren Gestaltung nicht vorliegen. Erfreulich für mich war, daß
stets der Nachdruck darauf lag, alle zu Wort kommen zu lassen. Die
34 Teilnehmer kamen schließlich überein, zunächst ein Thema,
nämlich ''Hierarchie und Demokratie in der Kirche'', weiter
zu behandeln17.1. Wieder wurden in Gruppen Gedanken
dazu zusammengetragen mit einer eindeutigen Tendenz, die man in
folgenden Sätzen zusammenfassen kann: Amtsautorität muß
zurückhaltend und mit Einfühlungsvermögen gebraucht werden; ein
Bischof sollte Anregung und Vorstellungen, die vom Kirchenvolk
ausgehen, an die Gesamtkirche weitergeben; demokratische Formen
müssen, wo immer möglich, angewendet werden z.B. bei Auswahl
von Bischöfen, aber auch von Pfarrern für die Gemeinden. Eine
Zusammenfassung wird vor der nächsten Veranstaltung wieder allen
zugänglich gemacht. Nach der anschließenden Aussprache in der großen
Runde wurde beschlossen, dieses besondere Thema bei der nächsten
Veranstaltung zu einem vorläufigen Abschluß zu bringen und dann
weitere Themen in einer noch zu beschließenden Reihenfolge in
Abständen von jeweils einem Monat zu behandeln. Ziel ist, daraus
bis zum Sommer des nächsten Jahres sog. Voten zu gestalten. Als
nächster Termin ist vorgesehen:
Dienstag, den 26.Oktober, 20:00 Uhr im Pfarrheim
von St.Hubertus
Wer kann daran teilnehmen? Jeder, dem Glaube und Kirche am Herzen
liegen und zwar auch und gerade diejenigen, die Kritik und Zweifel
vorzubringen haben! Es ist gleichgültig, ob sie bereits an einer
derartigen Veranstaltung teilgenommen haben oder nicht! Wer die
lebendigen Auseinandersetzungen in der letzten Runde miterlebt
hat, wird nicht bedauern, sich daran beteiligt zu haben.
M.Lorenz
Zu Beginn des 4. Pastoralgespräches am 22.9. wurden die Themen
für die zukünftigen Gesprächsabende festgelegt. Aus den Themen, die aus
den Aussagen der ersten Zusammenkünfte ''Wohlbehagen und Unbehagen
in und an der Kirche'' zusammengestellt worden waren, konnten die
Teilnehmer des Abends die für sie wichtigsten bewerten. Dazu
erhielt jeder Teilnehmer 7 Punkte.
Die meisten Punkte und somit Thema für den angesetzten Abend ''Problemgruppe:
Wiederverheiratet nach der Scheidung''.
Das Thema wurde in 3 Gesprächsgruppen und anschließend im Plenum
besprochen. Die Voten wurden festgehalten und können im Bericht
über das Gespräch, der wieder in den Kirchen ausliegt, nachgelesen werden.
Für die weiteren Abende bis zum Mai nächsten Jahres stehen folgende
Themen an:
Dienstag, 23.11. Frau in der Kirche, Gleichberechtigung, ihre Rolle
Dienstag, 14.12. Ökumene
Dienstag, 25.01. Gewissensfreiheit und Gesetz
Dienstag, 22.02. Priesterweihe, Zölibat
Dienstag, 15.03. Glaubensgespräche: auch in Verbindung mit Predigt;
auch Diskussionen
Dienstag, 19.04. Bürokratie und Gesetze in der Kirche oder
Familienplanung oder Weitergabe des Glaubens - 3 Themen
punktgleich gewertet, es muß daher für den Abend nochmal
abgestimmt werden-
Dienstag, 17.05. voraussichtliche Abschlußveranstaltung
Das anstehenden Thema soll möglichst an einem Abend abschließend besprochen
werden. Jeder kann daher jederzeit ins Pastoralgespräch einsteigen, auch
wenn ihn nur einzelne Themen interessieren.
Machen Sie mit!
Bei einigen niedergeschriebenen Voten habe ich den Eindruck, die
Vertreter dieser Meinungsäußerungen seien pure Idealisten und
hätten keine Ahnung von den tatsächlichen Gegebenheiten und
Verhältnissen in der heutigen Gesellschaft.
Beispielsweise wird der Wunsch geäußert, der Pfarrer solle das
Hausherrn-Recht in der Kirche abgeben - mit der Begründung, dann
können man sich in den Kirchen zu Terminen trauen lassen, die
man persönlich wünsche. Weiß man nicht, daß es für
Kirchenbedienstete tarifvertraglich festgelegte Arbeitszeiten gibt?
Die Küster würden sich weigern, an ihrem freien Tag oder gar um
Mitternacht oder im Morgengrauen die Kirche zu öffnen und Dienst
zu machen.
Oder: Die Pfarrer sollen kein Vetorecht haben bei der Liturgiegestaltung.
Was wird eigentlich gewünscht? Ein selbstgestricktes, sektenähnliches
Happening mit liturgischer Verbrämung? Oder will man sich aus dem
objektiven Rahmen der Weltkirche ausklinken und stattdessen provinzielle
bzw. dörfliche Club-Rituale einführen?
Dann wird mehrfach vorgeschlagen, man solle über die Berufung von
Priestern und Bischöfen in den Gemeinden und Bistümern demokratisch
abstimmen lassen. Nach welchen Kriterien soll dann wohl verfahren
werden? Müßte man nicht befürchten, daß solche Priester, die nicht
nach jedermanns Geschmack predigen oder gar Forderungen erheben, die den
meisten heute nicht mehr in den Kram passen, ablehnen und daß man
subjektiv nach Sympathie und Antipathie entscheiden würde? Und in
welchen Betrieben, Behörden oder etwa Schulen werden Direktoren,
Prokuristen oder andere Leitende durch Abstimmung der Belegschaft oder
durch die Lehrerkonferenzen berufen?
Es wird in den Betrieben oder bei den Behörden und Schulen auch nicht
dauernd darüber abgestimmt, was und wie und wann etwas zu tun ist.
Was bringt es, wenn qualifizierte Laien in der Messe predigen? Wer
wäre wohl qualifiziert? Und würde man die Meinungsäußerung eines
Laien mehr befolgen als die eines Priesters?
Dann wird behauptet, es gebe bei uns keine oder zu wenig
Gesprächsmöglichkeiten in der Kirche. In Wirklichkeit gibt es hier
fast in jeder Woche Bibelabende oder Glaubensgespräche, Vorträge,
Seminare, usw., die meistens nur schwach besucht sind.
Man ist auch offensichtlich der Meinung, nach Aufhebung des Zölibats
werde in der Kirche alles besser. Man vergißt wohl, daß es
beispielsweise in der Evangelischen Kirche - trotz so vielen
Pfarrern und Pfarrerinnen, die sich häufig sogar ein Amt teilen
müssen - nicht etwa weniger Kirchenaustritte oder mehr Kirchenbesucher
gibt als in der katholischen Kirche.
Es wird auch immer wieder von Reichtümern und dem Vermögen der
Kirche geredet. Ohne die Kirchensteuer-Zuwendungen könnten wir
in der Pius-Kirche zumachen, wir könnten die verschiedenen Einrichtungen
und Aktivitäten nicht mehr bezahlen.
Wer ferner ernsthaft glaubt, man könne Enzykliken oder Hirtenworte
den Gemeinden noch früher zugänglich machen als der Presse, weiß
offenbar nichts von der Stellung der Medien in der Gesellschaft von heute.
Meines Erachtens müßte man schon realistischer überlegen, was
wirklich notwendig ist, damit unsere katholische Kirche auch in
Zukunft ihre Sendung erfüllen kann und dabei anziehend bleibt
für alle.
F.J. Hammes
Sehr geehrter Herr Hammes,
mit großem Bedauern habe ich Ihre ''Anmerkungen zu
einigen Voten, die bei den Pastoralgesprächen in
unseren Gemeinden vorgetragen wurden'', in Pfarr-Kontakte 4/93
gelesen.
Mich macht betroffen, daß Sie diese Anmerkungen machen,
obwohl Sie nicht ein einziges der bisherigen sieben Pastoralgespräche
für den Nahbereich besucht haben. Zugleich zeigen Ihre Anmerkungen,
daß offenbar viele der ausliegenden Zusammenfassungen nicht
leicht verständlich sind für all die, die bei den Gesprächen nicht
dabei waren.
Zunächst sind die von Ihnen zitierten Informationen keine Voten,
sondern die Zusammenfassung der Gesprächsinhalte der
verschiedenen Gruppen. Hier wurde also nicht eine Stellungnahme
an den Bischof formuliert, sondern das Meinungsbild einer
kleineren Gruppe - wie es sich gehört -
unzensiert wiedergegeben. Ziel des Pastoralgespräches soll es
ja gerade nicht sein, nur das zu schreiben und zu diskutieren, was
Sie aus Ihrer Sicht als Kirchenvorstand für richtig halten -
man hätte sich das Pastoralgespräch dann sparen und es
bei einem Brief bewenden lassen können - sondern jedes
Gemeindemitglied war und ist immer noch aufgefordert, sich hier
freimütig zu seiner persönlichen Sicht von Freude und Leid an
der Kirche zu äußern. Dies wird von den Teilnehmern auch rege
genutzt. Ganz selbstverständlich hat dies nur
dann einen Sinn, wenn hier keine Zensur erfolgt und jede Äußerung
auch Eingang findet in die Zusammenfassungen und ebenso eine Chance
hat, in die Voten an die Bistumsleitung einzugehen. Gerade die Meinung
der sogenannten ''Kirchenfernen'' ist hier für uns alle von
Wichtigkeit. So erklärt sich, daß auch Stellungnahmen in den
Zusammenfassungen auftauchen, die nicht Ihren Beifall und auch nicht
den Beifall aller finden.
Fast Ihre gesamte Kritik bezieht sich auf herausgepickte Sätze, die
keinen Eingang in die Stellungnahmen an unsere Bistumsleitung (Voten)
gefunden haben.
- Sie kritisieren den geäußerten Wunsch,
der Pfarrer solle das Hausherrn-Recht in der Kirche
abgeben.
Dieser Satz fand Eingang in die Zusammenfassung meines
Gesprächskreises aufgrund eines lange zurückliegenden
Falles, wo eine samstägliche Trauung um 15 Uhr vom Pfarrer
offenbar aus Unlust verweigert worden war.
In dem angesprochenen Satz war aber ebenfalls zu lesen, daß
diese Einschränkung des Hausrechtes zugunsten von Kirchenvorstand
und Pfarrgemeinderates gewünscht wurde. Selbst wenn der angesprochene
Sachverhalt Eingang in das Votum gefunden hätte, schiene mir etwas
mehr Vertrauen in PGR und KV angebracht, die die von Ihnen
befürchteten Gottesdienste im
Morgengrauen oder um Mitternacht sicher nicht gutheißen würden.
- Sie kritisieren den Wunsch, der Pfarrer soll
kein Vetorecht bei der Liturgiegestaltung haben. Sie haben Recht,
daß hier kein selbstgestricktes, sektenähnliches Happening mit
liturgischer Verbrämung und auch keine provinziellen bzw.
dörflichen Club-Rituale gewünscht werden. Es fällt mir allerdings
schwer, diesen Satz, der auch keinen Eingang in die Voten fand,
so gewaltig mißzuverstehen. Gewünscht war hier, Pfarrern, die die
Umsetzung von Liturgieformen, die in anderen Gemeinden mit Segen von
Rom und den Bischöfen praktiziert werden,
aus persönlicher Antipathie oder Sturheit blockieren, überstimmen
zu können. Gedacht ist etwa an Gabenprozession, Kommunion unter beiderlei
Gestalten zu Ostern oder Weihnachten etc. Auch hier war nicht Wunsch,
daß jeder machen kann was er will, sondern allein der Pfarrgemeinderat,
wo der Pfarrer selbstverständlich Mitglied ist, sollte eine
Einigung herbeiführen. Eigentlich hätten Sie auch das
der Zusammenfassung entnehmen können.
- Sie kritisieren den Wunsch, einen Bischof wählen zu lassen. Ich
zitiere Ihnen dazu einen Satz aus dem Votum des Nahbereichs vom
26.10.93 zum Thema Hierarchie und Demokratie:
Bei der Bischofswahl soll ein repräsentatives und qualifiziertes
Gremium von Priestern und Laien (Frauen und Männern) ein Recht
auf Mitwirkung haben, damit der Bischof eine größere Akzeptanz
in seiner Diözese finden kann.
Ist dies in Ihren Augen ein so
unrechter Wunsch?
- Sie kritisieren den Wunsch, qualifizierte Laien
predigen zu lassen. Über diesen im Votum Hierarchie und
Demokratie formulierte Wunsch kann man sicher geteilter Meinung
sein. Als ''Hinführung zum Thema'', als Einführung oder beim
Wortgottesdienst ist Laien heute ganz legal die
Möglichkeit gegeben, sich im Gottesdienst zu äußern, nur Predigt
darf es nicht heißen. Ich finde es einfach ehrlicher, das Kind
beim Namen zu nennen und qualifizierte Laien z.B. Pastoral- und
Gemeindereferentinnen und Referenten auch predigen zu lassen.
Sie haben Recht, mehr befolgt würde die Meinungsäußerung eines
Laien in Predigten gegenüber denen eines Priesters nicht.
Nach meiner Meinung kommt es heute aber für uns nicht aufs Befolgen an,
sondern darauf, durch die Predigt und das Vorbild des Predigers
überzeugt zu werden. Also Einsicht statt Befehl. Hier hätten
Laien und Priester gleiche Möglichkeiten und Chancen.
- Sie kritisieren den Wunsch nach mehr
Gesprächsmöglichkeiten in der Kirche. Sie haben Recht,
wenig besuchte Gesprächskreise in den Gemeinden gibt es leider genug.
Die Stellungnahmen in den ersten Pastoralgesprächen in den Gemeinden
zeigen aber, daß das fehlende Gespräch zwischen ''unten'' und
''oben'' in der Kirche gemeint ist, dieses wird schmerzlich vermißt.
- Ihrer Kritik über den Wunsch nach Aufhebung des
Zölibats setze ich eine herzliche Einladung zum Pastoralgespräch
am 22.02.94 entgegen. Das Thema lautet: ''Priesterweihe und Zölibat''.
- Der Wunsch, Enzykliken den Katholiken in den Gemeinden eher
bekannt zu machen als den Medien, stößt bei Ihnen auf Unverständnis,
und Sie unterstellen Unwissen von der Stellung der Medien in der
heutigen Zeit. Wir wünschen uns nicht, daß die Medien langsamer
sind, sondern daß die Kirchenleitung uns zuerst und aus
erster Hand informiert, z.B. über einen Hirtenbrief. Der unselige
Zustand für engagierte Christen, erstmal wochenlang von Halb- und
Unwahrheiten der kirchenfeindlichen Medien leben zu müssen, wäre
so beseitigt.
In ihrem Schlußwort fordern sie dazu auf, realistischer
zu überlegen, was wirklich notwendig ist, damit unsere katholische
Kirche auch in Zukunft ihre Sendung erfüllen kann und dabei
anziehend bleibt für alle. Ich glaube, die vielen engagierten
Christen unseres Nahbereiches haben sich aufgrund ihrer Sorge an
der Kirche - die wir alle sind - zur Mitarbeit
beim Pastoralgespräch entschlossen. Ich bitte Sie ganz herzlich:
- -
- Beteiligen sie sich aktiv am Pastoralgespräch, bringen Sie Ihre
Meinung ein! Vielleicht gelingt es uns allen zusammen,
die Pastoralgespräche durchschaubarer zu machen.
- -
- Begleiten Sie das Pastoralgespräch mit mehr Vertrauen!
Befürchten Sie nicht immer gleich, daß hinter jeder Äußerung der
Wunsch steht, die Kirche zu verunglimpfen oder ein selbstgestricktes,
sektenähnliches Happening mit liturgischer Verbrämung herbeizuführen.
Mit herzlichen Grüßen
Florian Seiffert
Als Zwischenergebnis des Pastoralgesprächs
veröffentlichen wir im folgenden
die bisherigen 6 Voten des Nahbereichs Flittard-Stammheim. Nach
Abschluß des Pastoralgesprächs werden sie an die Bistumsleitung geschickt.
Wir möchten Sie alle auch weiterhin herzlich zu den noch folgenden
Pastoralgesprächen einladen.
Dienstag, 15.03.94 Glaubensgespräche: auch in Verbindung mit Predigt;
auch Diskussionen
Dienstag, 19.04.94 Bürokratie und Gesetze in der Kirche oder
Familienplanung oder Weitergabe des Glaubens - 3 Themen
punktgleich gewertet, es muß daher für den Abend nochmal
abgestimmt werden
Dienstag, 17.05.94 voraussichtliche Abschlußveranstaltung
Alle Gespräche finden jeweils in St.Hubertus um 20 Uhr statt.
Florian Seiffert
(In dem Artikel folgen die 6 Voten zu den Themen:
Hierarchie und Demokratie,
Wiederverheiratete nach Scheidung,
Enzykliken,
Frauen in der Kirche,
Ökumene und
Gewissensfreiheit und Gesetz.
Siehe Nr.
S.
).
Diese Sonderausgabe der Pfarrkontakte erschien rechtzeitig zur
Abschlußveranstaltung am 17. Mai 1994. Sie enthielt die hier
vorliegende Dokumentation bis zum 10.ten Pastoralgespräch ohne
die Beiträge dieses und des davorliegenden Kapitels.
Die Auflage betrug 300 Stück zu sonst 2400 Stück.
Sie wurde an die Flittarder Vereine verteilt, die gebeten wurden
sie an interessierte Mitglieder weiter zu geben, und lag in den
Kirchen und in den Pfarrbüros aus.
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